Im ersten Teil unserer Reihe „Krypto Clubs“ ging es um WAGMI United und Crawley Town. Amerikanische Krypto Investoren übernahmen dort einen bestehenden Profifußballclub, verkauften NFTs und wollten mit einer internationalen Web3 Community „The Internet’s Team“ aufbauen. Drei Jahre später ist WAGMI als Mehrheitseigentümer wieder ausgestiegen.

Peter McCormack verfolgt mit Real Bedford eine Idee, die auf den ersten Blick ähnlich aussieht. Ein Unternehmer aus der Krypto Welt übernimmt einen englischen Fußballclub, bringt Kapital und eine internationale Community mit und formuliert ziemlich große sportliche Ziele. Schaut man genauer hin, funktioniert Real Bedford allerdings fast umgekehrt. Hier soll nicht aus einem bestehenden Profiverein ein Krypto Club werden. McCormack versucht, mithilfe von Bitcoin einen kleinen lokalen Club von unten nach oben aufzubauen.

Ein Bitcoin Podcaster kauft seinen Heimatclub

McCormack ist einer der bekanntesten Bitcoin Podcaster Großbritanniens und wurde vor allem mit „What Bitcoin Did“ bekannt. Gleichzeitig kommt er aus Bedford. 2021 kaufte er Bedford FC und formulierte ein Ziel, das damals ziemlich größenwahnsinnig klang: Er wollte League Football nach Bedford bringen und langfristig sogar Richtung Premier League gehen.

Peter McCormack bei Real Bedford
© Real Bedford FC · Quelle: Real Bedford FC

2022 wurde aus Bedford FC Real Bedford. Bitcoin gehörte von Beginn an zur Identität und zum Geschäftsmodell. McCormack konnte seine internationale Reichweite nutzen, Sponsoren aus der Bitcoin Welt gewinnen und Menschen auf einen Non League Club aufmerksam machen, von dem viele außerhalb der Region vorher wahrscheinlich noch nie gehört hatten.

Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Krypto Projekten im Fußball liegt für mich aber darin, dass Bitcoin hier nicht das eigentliche Produkt ist. Real Bedford verkauft nicht in erster Linie einen Token, um daraus eine Community zu bauen. Der Fußballclub ist das Projekt und die Bitcoin Community liefert Kapital, Reichweite und Netzwerk.

Dann kommen die Winklevoss Twins

Spätestens im April 2024 bekam das Experiment eine andere Größenordnung. Cameron und Tyler Winklevoss investierten über Winklevoss Capital Bitcoin im Wert von 4,5 Millionen Dollar in Real Bedford und wurden neben McCormack Miteigentümer. Das Kapital sollte unter anderem für eine Bitcoin Treasury, ein neues Trainingszentrum, eine Academy sowie Mädchen und Jugendfußball eingesetzt werden.

Das ist eine interessante Kombination. McCormack bringt den lokalen Bezug und seine Bitcoin Reichweite mit. Cameron und Tyler Winklevoss bringen Kapital und zwei der bekanntesten Namen der internationalen Krypto Szene dazu. Die beiden Gemini Gründer investieren dabei nicht einfach in irgendeinen Fußballclub, sondern ausdrücklich in McCormacks Plan, Profifußball nach Bedford zu bringen.

Im Juli 2024 folgte ein weiterer Schritt. Gemini unterschrieb einen Sponsoringvertrag über 500.000 Pfund und fünf Jahre. Der komplette Betrag wird in Bitcoin bezahlt und in die Treasury des Clubs eingezahlt. Real Bedford erklärte damals außerdem, mit seiner bisherigen Bitcoin Strategie einen Wertzuwachs von 62 Prozent erzielt zu haben.

Ein Krypto Unternehmen als Trikotsponsor wäre inzwischen kaum noch bemerkenswert. Ein Non League Club, der einen langfristigen Sponsoringvertrag komplett in Bitcoin erhält und das Geld anschließend als Teil seiner Treasury hält, ist etwas anderes.

Drei Meisterschaften in drei Jahren

Entscheidend ist allerdings, was auf dem Platz passiert. Und dort funktioniert das Experiment bislang erstaunlich gut. Real Bedford gewann in den Spielzeiten 2022/23, 2023/24 und 2024/25 drei Meisterschaften in Folge und stieg damit dreimal hintereinander auf. Der dritte Titel kam im April 2025 in der Southern League Division One Central. Ein 1:0 gegen Kings Langley reichte zur Meisterschaft.

Real Bedford in einer Spielsituation
© Real Bedford FC · Quelle: Real Bedford FC

Cameron und Tyler Winklevoss waren für dieses Spiel erstmals im Ledger Stadium. 1.426 Zuschauer sahen den dritten Titel in Folge, damals eine Rekordkulisse für Real Bedford. Damit wurde ziemlich anschaulich, was McCormack mit seinem Modell versucht: Auf dem Platz spielt ein englischer Non League Club um den Aufstieg, daneben stehen zwei amerikanische Bitcoin Milliardäre und rund um das Ganze trifft sich eine internationale Bitcoin Community in Bedford.

Gleichzeitig investiert der Club in seine lokale Basis. Real Bedford hat Männer, Frauen und Nachwuchsteams unter einem Dach ausgebaut. Für Kinder und Jugendliche gab es beispielsweise weiterhin kostenlosen Eintritt zu den Heimspielen. Genau das macht das Modell für mich interessanter als ein reines Krypto Sponsoring.

Bitcoin ist nicht das Produkt

Der Vergleich mit WAGMI United zeigt den Unterschied ziemlich deutlich. WAGMI kam aus der Web3 Welt und wollte über NFTs eine internationale Community an einen bestehenden Profifußballclub binden. Real Bedford beginnt dagegen mit einem lokalen Fußballclub in der Heimatstadt seines Eigentümers und nutzt die Bitcoin Community, um diesen Club größer zu machen.

Bei WAGMI sollte das Internet aus Crawley einen globalen Club machen. Bei Real Bedford soll Bitcoin dabei helfen, aus einem kleinen lokalen Club einen größeren lokalen Club zu machen. Das klingt zunächst nur nach einer anderen Reihenfolge. Vielleicht ist es aber der entscheidende Unterschied.

Denn am Ende muss Real Bedford nicht beweisen, dass Bitcoin funktioniert. Der Club muss beweisen, dass Fußball funktioniert. Er braucht Zuschauer, Nachwuchs, Sponsoren, eine funktionierende Organisation und vor allem sportlichen Erfolg. Bitcoin kann all das finanzieren und beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wie weit kann das gehen?

Im Herbst 2025 steht Real Bedford deshalb an einem interessanten Punkt. Drei Aufstiege hintereinander sind eine außergewöhnliche Entwicklung, gleichzeitig ist der Weg in den englischen Profifußball weiterhin lang. Je höher der Club durch die Fußballpyramide steigt, desto größer werden Budgets, Infrastruktur und sportliche Konkurrenz.

McCormacks ursprünglicher Traum von der Premier League klingt deshalb weiterhin ziemlich verrückt. Aber das Projekt lässt sich inzwischen auch nicht mehr einfach als Marketingidee eines Bitcoin Podcasters abtun. Aus Bedford FC ist innerhalb weniger Jahre ein Club mit internationaler Aufmerksamkeit, prominenten Investoren und drei aufeinanderfolgenden Meisterschaften geworden.

Bei WAGMI United hat sich gezeigt, dass Krypto Aufmerksamkeit und neue Fans zu einem Fußballclub bringen kann, aber daraus nicht automatisch ein nachhaltiges Eigentümermodell entsteht. Real Bedford versucht nun den anderen Weg. Der lokale Club steht zuerst, Bitcoin kommt als wirtschaftlicher und kommunikativer Hebel dazu.

Ob das langfristig besser funktioniert, wissen wir noch nicht. Aber genau deshalb lohnt es sich, Real Bedford weiter zu beobachten.

Update Sommer 2026

Inzwischen können wir zumindest den ersten Reality Check nachreichen. Der direkte Durchmarsch ist zunächst gestoppt. Real Bedford spielte auch 2025/26 oben mit und erreichte in der Southern League Premier Central die Playoffs. Im Halbfinale besiegte der Club Kettering Town vor 1.593 Zuschauern mit 3:1 und stand damit nur noch ein Spiel vor dem vierten Aufstieg in Folge.

Im Playoff Finale gegen Spalding United reichte es anschließend nicht. Real Bedford verlor nach Verlängerung mit 2:4. Damit blieb erstmals seit drei Spielzeiten der nächste Aufstieg aus. Gerade jetzt wird das Experiment eigentlich noch interessanter: Real Bedford muss zeigen, ob das Modell auch dann trägt, wenn sportlicher Erfolg nicht jedes Jahr automatisch mit einer weiteren Meisterschaft endet.

Dieser Abschnitt wurde im Sommer 2026 nachträglich ergänzt. Der ursprüngliche Artikel bildet den Stand von Oktober 2025 ab.