Als WAGMI United im Frühjahr 2022 den englischen Viertligisten Crawley Town übernahm, klang die Idee ziemlich genau nach dem Web3 Zeitgeist dieser Jahre: Ein klassischer Fußballclub sollte mit NFTs, Discord und einer weltweiten digitalen Community zu „The Internet’s Team“ werden. Das Interessante daran war, dass WAGMI nicht nur Krypto als Sponsoring auf ein Trikot drucken wollte. Die neuen Eigentümer wollten ausprobieren, ob sich ein Fußballclub mit den Mechanismen einer Web3 Community anders entwickeln lässt.
Wir haben das damals nicht nur beobachtet. Daniel und ich haben selbst ein WAGMI NFT gemintet und wurden damit Teil des Experiments. Drei Jahre später ist WAGMI United als Mehrheitseigentümer von Crawley Town wieder Geschichte. Zeit also für die Frage, was aus „The Internet’s Team“ geworden ist und ob das Projekt tatsächlich so gescheitert ist, wie man zunächst vermuten könnte.
Krypto Investoren kaufen einen Fußballclub
Hinter WAGMI United standen die beiden Gründer Preston Johnson und Eben Smith. Johnson hatte zuvor unter anderem als Gambling Analyst für ESPN gearbeitet und war in der NFT Szene aktiv. Zur Investorengruppe gehörten außerdem durchaus prominente Namen wie Daryl Morey, President of Basketball Operations der Philadelphia 76ers, Unternehmer und VeeFriends Gründer Gary Vaynerchuk sowie Social Media Creator Bryce Hall. Zuvor hatte WAGMI bereits versucht, Bradford City zu übernehmen. Im April 2022 wurde schließlich der Kauf von Crawley Town offiziell.
Das Ziel formulierten Johnson und Smith ziemlich offensiv. Sie wollten den Status quo aufbrechen, neue Ideen ausprobieren und aus Crawley einen Club mit Fans von West Sussex bis überall dorthin machen, wo es einen Internetanschluss gibt. Gleichzeitig setzten sie sich ein sportliches Ziel: Innerhalb ihrer ersten beiden Spielzeiten sollte Crawley in die League One aufsteigen. Sollte das nicht gelingen, wollten Johnson und Smith die Fans sogar darüber abstimmen lassen, ob sie ihre Positionen als Clubdirektoren behalten dürfen.
Das NFT als virtuelle Dauerkarte
Im Juli 2022 folgte der Teil, der das Projekt für uns besonders interessant machte. Crawley veröffentlichte seine eigene NFT Kollektion. Ein NFT kostete 0,35 ETH und wurde von Johnson selbst als „virtual season ticket“ bezeichnet. Damit verbunden waren digitale und physische Vorteile, Merchandise und Möglichkeiten zur Beteiligung an ausgewählten Entscheidungen rund um den Club. Bis Mitte Juli waren knapp 10.000 NFTs verkauft, mit einem damaligen Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Pfund.

© WAGMI United · Quelle: WAGMI United
Der entscheidende Gedanke dahinter war ungewöhnlich. WAGMI wollte nicht in erster Linie NFTs an die bestehenden Fans eines englischen Viertligisten verkaufen. Johnson wollte einen englischen Fußballclub an Menschen verkaufen, die bereits aus der NFT Welt kamen. Genau das unterschied Crawley von vielen anderen Fußball und Krypto Projekten dieser Zeit, bei denen ein Token oder NFT letztlich nur ein zusätzliches Produkt für die vorhandenen Fans war. Und zumindest bei uns funktionierte diese Idee tatsächlich.
Plötzlich interessierten wir uns für Crawley Town
Daniel und ich hatten vorher keinen besonderen Bezug zu Crawley Town. Trotzdem minteten wir das NFT und beschäftigten uns plötzlich mit einem englischen Viertligisten aus West Sussex. Daniel nahm über den Discord sogar an virtuellen Watch Partys teil. Aus einem NFT wurde zumindest zeitweise eine Verbindung zu einem Fußballclub, dessen Ergebnisse wir vorher wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen hätten.
Ich wollte den nächsten Schritt machen und Crawley Anfang 2023 auch vor Ort sehen. Ein London Trip war geplant, mit dem Crawley Spiel klappte es am Ende allerdings nicht. Stattdessen saß ich am 7. Januar im Selhurst Park und sah Crystal Palace gegen Southampton. Das ist eigentlich nur eine kleine persönliche Anekdote. Sie zeigt aber ziemlich gut, was WAGMI erreichen wollte: Menschen außerhalb von Crawley beschäftigten sich plötzlich mit dem Club, verfolgten Spiele und planten sogar Reisen darum herum.
Deshalb wäre es im Rückblick zu einfach, WAGMI als gescheitertes NFT Projekt abzuhaken. Der Aufbau einer internationalen Community funktionierte zumindest teilweise. Daniel und ich sind dafür selbst ein ziemlich gutes Beispiel.
Erst Chaos, dann tatsächlich der Aufstieg
Sportlich sah es zunächst wesentlich schlechter aus. Die erste Saison unter den neuen Eigentümern war geprägt von Trainerwechseln, ungewöhnlichen Entscheidungen und viel Kritik an der Clubführung. Crawley beendete die Saison 2022/23 auf Platz 22 der League Two und entging nur knapp dem Abstieg aus dem englischen Profifußball. Das ambitionierte Web3 Experiment drohte ziemlich schnell zu einem weiteren Beispiel dafür zu werden, dass eine große Community Vision noch keinen erfolgreichen Fußballclub macht.

© Paul Wilkinson · CC BY 2.0 · Quelle: Wikimedia Commons
Dann änderte sich die Geschichte. Crawley setzte bei der Zusammenstellung der Mannschaft stärker auf Daten und schaffte 2023/24 über die Playoffs tatsächlich den Aufstieg in die League One. Ausgerechnet das zentrale sportliche Versprechen von Johnson und Smith war damit erfüllt: Innerhalb von zwei Spielzeiten hatten sie Crawley in die dritte Liga gebracht.
Dauerhaft hielt der Erfolg allerdings nicht. Nach nur einer Saison stieg Crawley wieder in die League Two ab. Im Juli 2025 verließ Preston Johnson den Club und kritisierte dabei unter anderem, dass sich die Transferstrategie von dem datengetriebenen Ansatz entfernt habe, der aus seiner Sicht wesentlich zum Erfolg der vergangenen Jahre beigetragen hatte.
Das Ende von WAGMI United in Crawley
Am 1. August 2025 übernahm KB Sports and Leisure unter Raphael Khalili die Mehrheit an Crawley Town. WAGMI United hatte den Club 2022 gekauft, ihn zwischenzeitlich in die League One geführt und gab nach etwas mehr als drei Jahren die Kontrolle wieder ab.
War das Experiment damit gescheitert? Als langfristiges Eigentümermodell hat WAGMI offensichtlich nicht funktioniert. Der Traum von einem dauerhaft international getragenen „Internet’s Team“ hat Crawley nicht grundsätzlich verändert. Gleichzeitig wäre es falsch, die drei Jahre nur unter der Überschrift Krypto Chaos abzulegen. WAGMI hat internationale Aufmerksamkeit erzeugt, Menschen außerhalb Englands für einen kleinen Club interessiert und sogar das sportliche Versprechen des Aufstiegs erfüllt.
Vielleicht ist genau das die interessantere Erkenntnis. Web3 konnte Menschen zu einem Fußballclub bringen. Es konnte aber nicht automatisch einen nachhaltig erfolgreichen Fußballclub bauen.
Und während die WAGMI Geschichte in Crawley gerade endet, läuft rund 150 Kilometer weiter nördlich bereits ein anderes Krypto Experiment. Dort spielen keine NFTs die Hauptrolle, sondern Bitcoin. Im nächsten Teil unserer Reihe „Krypto Clubs“ schauen wir deshalb auf Real Bedford und den Bitcoin Weg in den Profifußball.