An der Wand hängt Zeche Zollern, ein 80 mal 60 Zentimeter großes Werk aus Leinwand, Acryl und Lack. Entstanden ist es 2019, geschaffen hat es N.K. Mip, im echten Leben Christoph Brée. Auf den ersten Blick ist es ein ganz normales physisches Kunstwerk. Was man ihm nicht ansieht: Zeche Zollern besitzt auch eine digitale Identität.
Gemeinsam mit Christoph haben wir das Kunstwerk mit einem NFC Chip ausgestattet und einen Digital Twin geschaffen. Für die technische Umsetzung nutzen wir IYK. Damit wollten wir nicht einfach ein NFT zu einem bestehenden Kunstwerk erstellen, sondern ausprobieren, wie sich ein physisches Original sinnvoll mit einer digitalen Ebene verbinden lässt. Und vor allem wollten wir herausfinden, ob daraus mehr entstehen kann als eine technische Spielerei.
Das Original bleibt das Original
NFTs wurden in den vergangenen Jahren vor allem mit digitaler Kunst in Verbindung gebracht. Uns interessierte bei diesem Projekt die andere Richtung: Das Kunstwerk ist bereits da, es ist physisch, einzigartig und hängt an einer Wand. Warum sollte man es also digital ersetzen?
Genau das wollten wir auch gar nicht. Der Digital Twin ergänzt das Original um eine weitere Ebene. Der NFC Chip stellt dabei die direkte Verbindung zwischen dem physischen Kunstwerk und seinem digitalen Gegenstück her. Ein Smartphone reicht aus, um diese Verbindung herzustellen. Die Leinwand bleibt die Leinwand, bekommt aber zusätzlich eine digitale Identität.
Das eröffnet interessante Möglichkeiten. Informationen zum Künstler und zum Werk können mit dem Original verbunden werden, genauso wie zusätzliche Inhalte oder eine Dokumentation seiner Geschichte. NFC und NFT übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben: Der NFC Chip verbindet die physische mit der digitalen Welt, während der NFT den Digital Twin abbildet. Das Smartphone wird so zur Brücke zwischen beiden.
Scannen, claimen und verifizieren
Für die technische Umsetzung haben wir uns für IYK entschieden. Der mit dem Kunstwerk verbundene NFC Chip stellt dabei die Verbindung zum Digital Twin auf der Polygon Blockchain her. Beim Scan erzeugt der Chip einen dynamischen Datensatz, der von IYK validiert wird und den Claim Prozess startet. Der NFC Chip führt also nicht einfach nur zu einer Webseite, auf der irgendwo ein NFT liegt, sondern ist Teil der Verbindung zwischen dem physischen Kunstwerk und seiner digitalen Identität.
Der Besitzer scannt den NFC Chip mit seinem Smartphone und startet damit den Claim. Anschließend wird eine E Mail Adresse hinterlegt und der Vorgang darüber bestätigt. Danach folgt eine weitere Verifizierung. Dadurch soll verhindert werden, dass beispielsweise ein Besucher auf einer Ausstellung einfach sein Smartphone an das Kunstwerk hält, den NFT claimt und anschließend wieder verschwindet.
Gerade bei Kunst ist dieser Punkt entscheidend, denn natürlich soll ein Werk öffentlich ausgestellt werden können. Menschen sollen davorstehen, sich damit beschäftigen und im besten Fall auch neugierig auf die digitale Ebene werden. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass die digitale Besitzebene nicht einfach vom physischen Kunstwerk getrennt werden kann. Genau hier wird aus der Kombination von NFC und NFT für uns ein interessanter Anwendungsfall.
Die größere Herausforderung ist die Erklärung
Zeche Zollern war inzwischen auf mehreren Ausstellungen zu sehen, zuletzt am 7. November 2025. Dabei konnten wir beobachten, wie unterschiedlich Menschen auf die Verbindung von physischer Kunst, NFC und NFT reagieren. Wer sich seit Jahren mit Web3 beschäftigt, findet einen Begriff wie Digital Twin wahrscheinlich längst selbstverständlich. In der klassischen Kunstszene, gerade in Deutschland, ist das ganz anders.
Deshalb hing neben dem eigentlichen Kunstwerk ein zusätzliches Schild mit der Überschrift „Was ist ein DIGITAL TWIN?“. Darauf erklärten wir, was hinter der Idee steckt, und boten über einen QR Code weitere Informationen an. Denn ein NFC Chip an einem Kunstwerk erklärt sich nicht von selbst und ein NFT bekommt auch nicht automatisch einen Nutzen, nur weil man ihn mit einer Leinwand verbindet.
Genau diese Vermittlung war für uns fast genauso interessant wie die technische Umsetzung. Die Technologie im Hintergrund kann noch so gut funktionieren, wenn niemand versteht, warum sie eingesetzt wird, bleibt sie eine Spielerei. Erst wenn jemand vor dem Werk steht, sein Smartphone benutzt und versteht, was physisches Original und Digital Twin miteinander zu tun haben, wird die Idee greifbar.
Einfach mal machen
Dass wir dieses Experiment überhaupt umsetzen konnten, lag natürlich auch an Christoph. N.K. Mip arbeitet mit Leinwand, Farbe, Strukturen und Oberflächen und kommt damit zunächst aus einer sehr physischen Kunstwelt. Trotzdem war er von Anfang an offen für die Idee, eines seiner Werke um eine digitale Komponente zu erweitern, und vor allem neugierig genug, uns ausprobieren zu lassen.
Diese Offenheit ist bei neuen Technologien nicht selbstverständlich. Gerade wenn eine Anwendung noch erklärungsbedürftig ist und es keine fertige Blaupause gibt, muss man bereit sein, Dinge auszuprobieren und dabei auch erst einmal herauszufinden, was funktioniert. Zeche Zollern ist deshalb für uns nicht nur ein Kunstwerk mit NFC Chip und Digital Twin geworden, sondern ein Experiment, das wir über mehrere Ausstellungen hinweg begleiten konnten.
Wir glauben deshalb auch nicht, dass jetzt jedes Kunstwerk einen NFT oder einen Digital Twin braucht. Interessanter ist die Frage, an welchen Stellen die Technologie einen tatsächlichen zusätzlichen Nutzen schaffen kann. Die Verbindung eines physischen Originals mit einer digitalen Identität ist für uns ein gutes Beispiel dafür, weil die Technologie das bestehende Werk nicht ersetzen will, sondern ihm eine zusätzliche Ebene gibt.
Vielleicht ist genau das auch die interessantere Phase von Web3 nach dem großen NFT Hype. Weniger darüber zu sprechen, was Blockchain irgendwann einmal alles verändern könnte, und stattdessen konkrete Anwendungen auszuprobieren. In unserem Fall brauchte es dafür eine Leinwand, einen NFC Chip, IYK und einen Künstler, der neugierig genug war, uns einfach machen zu lassen.