NFTs sind digital. Eigentlich. Meine hängen inzwischen allerdings auch ziemlich analog an einer Backsteinwand mitten in Williamsburg. Erst kam mein Mutant Ape dazu, mittlerweile hängt dort auch Akim, mein Bored Ape. Beide sind Teil der NFT Wall an der Ecke Grand Street und Roebling Street, die über die vergangenen Jahre nicht nur immer weiter gewachsen ist, sondern sich auch zu einem echten Treffpunkt der Web3 Szene in New York entwickelt hat.

Achims Mutant-Ape-Avatar vor der NFT Wall in Williamsburg

Das Projekt heißt offiziell „Another Flex on the Wall“ und stammt von Lorenzo Gómez, besser bekannt als Masnah. Die Idee entstand mitten im NFT Boom 2021. Während damals viele Künstler ihre physischen Arbeiten digitalisierten und als NFTs auf die Blockchain brachten, drehte Masnah den Gedanken einfach um: Warum nicht NFTs aus der digitalen Welt zurück in die physische bringen? The Verge hat Masnah und die Entstehung der Wall 2022 ausführlich porträtiert.

Aus der Wallet auf die Backsteinwand

Eine der ersten Arbeiten von Masnah war ein CryptoPunk. Bilder davon verbreiteten sich innerhalb der NFT Community und aus einzelnen Aufträgen entwickelte sich nach und nach die Wall in Williamsburg. Heute finden sich dort Bored Apes, Mutant Apes, CryptoPunks, Pudgy Penguins und zahlreiche andere Projekte. Damit ist die Wand inzwischen auch eine ziemlich beeindruckende Momentaufnahme der NFT Kultur der vergangenen Jahre.

Spannend ist dabei, dass Masnah nicht einfach nur digitale Motive auf eine Hauswand malt. Auch die verfügbaren Flächen wurden Teil des Web3 Konzepts. Über sogenannte Brick NFTs konnten Holder einen Platz auf der Wall erwerben. Je nach Größe der gewünschten Darstellung gab es unterschiedliche Varianten. Das eigene NFT wurde anschließend von Masnah auf die entsprechende Fläche gemalt. Ein digitales Asset wird damit zu Street Art und der Platz für diese Street Art selbst wieder über ein digitales Asset organisiert.

Genau über diese Wall bin ich irgendwann auch auf Masnah aufmerksam geworden. Inzwischen hängen dort zwei Apes, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe. Mein Mutant Ape war der erste und in diesem Frühjahr habe ich Masnah beauftragt, auch Akim auf die Wall zu bringen.

Achim Hepp und Künstler Masnah an der NFT Wall in Williamsburg

Natürlich ist das auch ein ziemlich großer analoger Flex. Der Name „Another Flex on the Wall“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Für mich steckt inzwischen aber deutlich mehr dahinter. Die Wall ist zu einem dieser Orte geworden, die ich fest mit meiner eigenen Web3 Geschichte und meinen Aufenthalten in New York verbinde.

Aus einer Wall wird ein Meeting Spot

Die NFT Wall ist längst nicht mehr nur ein Ort, an dem Holder ihre digitalen Assets verewigen lassen. Sie hat sich über die Jahre auch als Meeting Spot innerhalb der New Yorker Web3 Szene etabliert. Das ist nicht nur mein persönlicher Eindruck. Schon zum einjährigen Bestehen der Wall wurde dort 2022 gemeinsam mit verschiedenen Web3 Communities ein öffentliches Event veranstaltet.

Auch während der NFT.NYC 2023 wurde die Wall zum Treffpunkt. Betty vom NFT Projekt Deadfellaz rief ihre Community dazu auf, sich dort zu einem Meetup zu treffen. Daniel und ich waren ebenfalls dabei und haben Betty dort getroffen.

Deadfellaz-Community-Meetup mit Achim und Daniel vor der NFT Wall in Williamsburg

Genau das beschreibt für mich eine Seite von Web3, die in der ganzen Diskussion über Preise, Blockchains und den NFT Hype häufig untergegangen ist. Die Assets waren digital, die daraus entstandenen Beziehungen und Communities waren es aber nie ausschließlich. Menschen haben sich über ein NFT, Discord oder Twitter kennengelernt und stehen irgendwann gemeinsam vor einer Backsteinwand in Brooklyn.

Williamsburg als Web3 Hotspot

Dass diese Wall ausgerechnet in Williamsburg entstanden ist, passt ziemlich gut. Das Viertel hat sich über die Jahre zu einem kleinen Hotspot der New Yorker Web3 Szene entwickelt. Dabei geht es nicht nur um einzelne Locations. Viele Leute, die dort leben oder regelmäßig unterwegs sind, haben eigene Web3 und NFT Projekte aufgebaut, teilweise mit bis heute sehr aktiven Communities. Entsprechend finden in Williamsburg immer wieder Meetups, Community Events und spontane Treffen statt.

Die NFT Wall ist einer dieser Treffpunkte, aber längst nicht der einzige. Rundherum gibt es weitere Orte, die eng mit der Szene verbunden sind und an denen man bei entsprechenden Events ziemlich sicher irgendwann bekannte Gesichter trifft. Dazu gehören beispielsweise Lion’s Milk, DeStefano’s Steakhouse und einige andere Locations, die sich über die Jahre als Treffpunkte etabliert haben.

Das ist allerdings eine eigene Geschichte wert, zu der ich noch einen separaten Artikel schreiben werde. Denn wer Williamsburg nur als Hipster Viertel mit Cafés, Bars und Restaurants kennt, übersieht eine kleine, aber ziemlich aktive Web3 Infrastruktur. Und die besteht eben nicht nur aus Unternehmen oder Blockchain Projekten, sondern vor allem aus Menschen, ihren eigenen Projekten und den Communities, die sich darum gebildet haben.

Was vom NFT Hype übrig bleibt

Ich habe die komplette NFT Reise der vergangenen Jahre mitgemacht: den Hype, die teilweise absurden Bewertungen, die Communities und Events, die Experimente und natürlich auch den Absturz und die immer wiederkehrende Frage, ob NFTs jetzt endgültig tot sind. Wenn ich heute vor dieser Wall stehe, interessiert mich diese Frage erstaunlich wenig.

Die Bilder sind noch da, viele der Menschen sind noch da und vor allem sind die Geschichten noch da. Aus einem digitalen Phänomen ist an dieser Ecke in Brooklyn etwas sehr Analoges entstanden. Man muss keine Wallet verbinden, kein Ethereum besitzen und noch nicht einmal wissen, was ein NFT ist. Man kann einfach durch Williamsburg laufen und plötzlich vor einer Backsteinwand voller Apes, Punks, Zombies und Pinguine stehen und sich fragen, was zur Hölle hier eigentlich passiert ist. Die Antwort darauf ist eine ziemlich gute Web3 Geschichte.