Digitale Sammelstücke im Fußball sind längst kein neues Thema mehr. Was sich verändert hat, ist die Frage, was aus einem solchen Sammelstück werden kann. FIFA Collect zeigt diese Entwicklung besonders anschaulich: Aus digitalen Momenten und Packs entsteht Schritt für Schritt ein System, das Sammeln, Challenges, Rewards, Ticketing und reale Erlebnisse miteinander verbindet.

Das ist für Fußballfans interessanter als die reine Blockchain-Technik. Ein digitales Collectible kann eine Erinnerung sein, eine Belohnung, ein handelbares Objekt oder der Zugang zu einem konkreten Erlebnis. Genau diese Entwicklung macht FIFA Collect zu einem Projekt, das man sich genauer anschauen sollte.

Angefangen hat alles 2022

FIFA+ Collect startete im September 2022, kurz vor der Weltmeisterschaft in Katar. Die Grundidee war zunächst vertraut: Fans konnten besondere Momente aus der Geschichte der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften digital sammeln. Die Stücke lagen nicht in einem Album, sondern im eigenen FIFA-Account und konnten dort gesammelt, gekauft und gehandelt werden.

Technisch basierte die Plattform zunächst auf der Algorand-Blockchain. In der Kommunikation mit den Fans stellte FIFA diese Technik allerdings nie in den Mittelpunkt. Begriffe wie „Digital Collectibles“, Packs, Collections und Moments waren deutlich sichtbarer als NFT oder Blockchain. Das war ein Hinweis darauf, wohin die Reise gehen sollte: Die Technologie bildet die Grundlage, das Produkt ist das Sammeln rund um den Fußball.

Aus FIFA+ Collect wird FIFA Collect

2024 stellte FIFA die Plattform gemeinsam mit dem Web3-Unternehmen Modex neu auf und benannte FIFA+ Collect in FIFA Collect um. Mit dem Rebranding wurde auch der Anspruch größer. Die Plattform sollte nicht nur digitale WM-Momente aus dem Archiv anbieten, sondern grundsätzlich für digitale Sammlerstücke und Fan-Erlebnisse rund um FIFA-Turniere offenstehen.

Damit wurde aus einem einzelnen Sammelprojekt zunehmend eine Plattform. Der Name ist kürzer, die Idee dahinter aber deutlich umfangreicher: FIFA Collect verbindet die Mechanik klassischer Sammelkarten mit digitalen Besitznachweisen, einem Marketplace und zusätzlichen Funktionen, die sich erst im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Warum FIFA Collect ab Ende 2024 deutlich interessanter wurde

Der eigentliche Wandel begann, als FIFA die Collectibles stärker mit einem konkreten Nutzen verband. Ab Ende 2024 und im Verlauf von 2025 kamen neue Drops, Surprise Packs, Challenges und Kooperationen in immer kürzeren Abständen hinzu. Bestimmte Sammlerstücke konnten kombiniert werden, vollständige Serien wurden belohnt und fehlende Stücke ließen sich auf dem integrierten Marketplace gezielt nachkaufen.

Die Mechanik erinnert an ein klassisches Sammelalbum, geht aber darüber hinaus. Es gibt unterschiedliche Seltenheitsstufen von Common über Rare und Epic bis Iconic. Ein digitales Stück kann gesammelt, gehandelt, in einer Challenge eingesetzt oder zum Schlüssel für eine weitere Belohnung werden. Einige Packs waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Das deutet darauf hin, dass FIFA Collect inzwischen nicht mehr nur als technisches Experiment wahrgenommen wird, sondern als eigenständiges Produkt mit einer aktiven Community.

Wenn aus dem Sammelstück ein Ticket-Recht wird

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den sogenannten Right to Buy Collectibles, kurz RTB. Ein Right to Buy ist noch keine Eintrittskarte. Es gibt seinem Besitzer vielmehr das Recht, innerhalb eines festgelegten Zeitraums ein Ticket für ein bestimmtes Spiel offiziell bei FIFA zu kaufen. Der digitale Gegenstand erhält damit eine Funktion, die außerhalb der Plattform liegt.

Diese Rechte konnten über Drops, Challenges oder mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit in Surprise Packs erworben werden. Außerdem ließen sie sich zwischen Nutzern auf dem FIFA Collect Marketplace handeln. Damit entstand ein Sekundärmarkt für das Recht auf ein Ticket, bevor das eigentliche Ticket gekauft wurde. Genau diese Verbindung aus digitalem Sammelstück und realem Zugang ist der Moment, in dem FIFA Collect über klassische NFT-Sammlungen hinausgeht.

[Interne Verlinkung zu Achims Beitrag: Wie ich über FIFA Collect und ein auf dem Marketplace gekauftes Right to Buy schließlich selbst zu meinem WM Ticket gekommen bin.]

Surprise Packs verbinden Sammeln und Utility

Die Surprise Packs zeigen, wie FIFA mit bekannten Sammelmechaniken und zusätzlichem Nutzen arbeitet. Ein Pack der ersten Serie kostete 9,99 US-Dollar und wurde in einer Auflage von 10.000 Stück angeboten. Neben digitalen Fußballmomenten konnten darin Coupons, Mitgliedschaftskarten und besonders seltene Iconic Collectibles enthalten sein. Dazu gehörten auch Right to Buy-Rechte für Spiele der Weltmeisterschaft 2026.

Spätere Serien wurden größer, das Prinzip blieb aber gleich: Man kauft ein Pack, kennt den genauen Inhalt noch nicht und erhält möglicherweise ein Stück, das mehr kann als nur in der Sammlung gut auszusehen. Dazu kommen Challenges und Kooperationen, etwa mit Panini. Die Marke, die für Generationen von Fußballfans mit dem Sammelalbum verbunden ist, bringt damit ihre vertraute Sammellogik in ein digitales Umfeld. Der Reiz des Unbekannten bleibt erhalten, während die möglichen Belohnungen deutlich vielfältiger werden.

Von FIFA Collect zum persönlichen Fan-Erlebnis

Die Verbindung von Collectibles und realen Erlebnissen wurde bei der FIFA World Cup 2026 besonders sichtbar. Ein digitales Right to Buy konnte zum Ausgangspunkt für eine Reise werden. Im Stadion kam mit der FIFA Fan ID ein physisches Element hinzu: eine NFC-Karte am Lanyard, die sich mit dem eigenen FIFA-Account verbinden und personalisieren lässt.

Über FIFA Rewards wurden Stadionbesuche als digitale Stamps festgehalten und mit Punkten, Tiers und Achievements verbunden. Für den Match Attendance Stamp und eine frühe Ankunft am Stadion konnten insgesamt 7.500 Punkte vergeben werden. Die Standortprüfung funktionierte dabei nicht immer reibungslos, zeigt aber sehr anschaulich, wie eng physischer Besuch und digitales Profil inzwischen zusammengehören.

Nach dem Spiel endet die Fan Journey nicht

Ein weiterer Baustein ist die Verbindung von Fan-Profil, Matchday und Commerce. Wenn ein Stadionbesuch mit einem konkreten Spiel und einem Account verknüpft ist, kann FIFA anschließend passende Inhalte und Produkte anbieten. Dazu gehören Fotos vom Matchday, personalisierte Tassen, Hoodies, Prints oder ein Match Archive. Über eine „Exclusive Matchday Surprise“ können daraus sogar Rabatte oder weitere Angebote entstehen.

Das muss man nicht grundsätzlich negativ bewerten. Niemand ist verpflichtet, ein personalisiertes Produkt zu kaufen. Aus Sicht von FIFA wird aber deutlich, welchen Wert ein digitales Fanprofil besitzt: Je mehr Touchpoints miteinander verbunden sind, desto passender kann ein Angebot zum richtigen Zeitpunkt werden. Aus dem Ticketing wird ein Fan-Erlebnis, aus dem Fan-Erlebnis ein Kundenkontakt und aus dem Kundenkontakt im besten Fall ein weiterer Grund, sich mit dem Turnier zu beschäftigen.

Auch wir kennen die Idee hinter digitalen Sammelkarten

Die Grundidee ist uns nicht fremd. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund haben wir rund um die UEFA EURO 2024 eine eigene NFT-Kollektion umgesetzt. Auch dort ging es nicht darum, Blockchain-Technik um ihrer selbst willen zu zeigen. Die digitalen Sammelkarten waren mit einem konkreten Turnier, einer lokalen Geschichte und zusätzlichen Funktionen verbunden.

[Interne Verlinkung zur UEFA EURO 2024 NFT Kollektion der Stadt Dortmund / Hepp Wiegand.]

Der Ansatz von FIFA Collect ist inzwischen wesentlich größer. Das gemeinsame Prinzip bleibt aber erkennbar: Die Blockchain ist nicht das Produkt. Sie sorgt dafür, dass ein digitales Stück eindeutig zugeordnet, übertragen und mit weiteren Funktionen verbunden werden kann. Entscheidend ist, was der Fan damit erlebt.

Seit 2025 läuft FIFA Collect auf einer eigenen Blockchain

Auch technisch hat FIFA die Plattform weiterentwickelt. Im Mai 2025 wechselte FIFA Collect von Algorand auf die neue FIFA Blockchain. Sie basiert auf Avalanche-Technologie und ist EVM-kompatibel. Dadurch können unter anderem verbreitete Wallets wie MetaMask und andere EVM-Wallets über WalletConnect angebunden werden.

Für die Nutzer ist dieser Wechsel zunächst kaum sichtbar. Für FIFA ist er dennoch strategisch wichtig. Die eigene Infrastruktur soll nicht nur FIFA Collect tragen, sondern als Grundlage für weitere Anwendungen rund um Gaming, Fantasy Football und digitale Fan-Interaktion dienen. FIFA baut damit ein Ökosystem auf, in dem Collectibles nur ein erster Anwendungsfall sind.

Blockchain benutzen, ohne Blockchain erklären zu müssen

In der ersten NFT-Welle mussten sich Nutzer häufig zuerst mit Wallets, Kryptowährungen, Netzwerken und Transaktionsgebühren beschäftigen. Bei FIFA Collect kann man dagegen einen Account anlegen, Packs kaufen, sie öffnen, Stücke sammeln, Challenges absolvieren und auf dem Marketplace handeln, ohne die technische Infrastruktur im Detail zu verstehen. Wer tiefer einsteigen möchte, kann eine eigene kompatible Wallet anbinden und USDC verwenden.

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Entwicklung. Eine Blockchain-Anwendung wird massentauglich, wenn der Nutzer nicht mehr mit der Blockchain anfangen muss. Bei FIFA Collect steht der Fußball im Vordergrund: Momente, Sammlungen, Belohnungen und der mögliche Zugang zu einem Spiel. Die Technik bleibt im Hintergrund und erfüllt genau dadurch ihren Zweck.

Vom digitalen Bild zum digitalen Recht

FIFA Collect ist deshalb nicht wegen einer einzelnen Karte oder eines einzelnen Packs spannend. Interessant ist die Entwicklung der Plattform. 2022 begann sie mit digitalen Momenten aus dem FIFA-Archiv. 2024 wurde daraus gemeinsam mit Modex eine breiter angelegte Collectibles-Plattform. Ab Ende 2024 und besonders 2025 kamen Surprise Packs, Challenges, Marketplace-Funktionen, Kooperationen, Rewards und vor allem der Zugang zu realen Fußballerlebnissen hinzu.

Das Right to Buy ist dafür das anschaulichste Beispiel. Ein digitales Sammelstück kann gesammelt, gehandelt und in eine Challenge eingebunden werden. Es kann aber auch das Recht vermitteln, ein Ticket für ein Spiel der Weltmeisterschaft zu kaufen. Man kann darüber diskutieren, ob Fußballfans dafür eine Blockchain brauchen. Die spannendere Frage ist, ob sie irgendwann überhaupt noch merken, dass sie eine benutzen.